Autor: Horst Teubert (Alle Rechte vorbehalten.)

Dieser Artikel erschien unter dem Titel »Revisionistische Lügen« am 02.10.2013 auf German Foreign Policy (http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58700). Die Veröffentlichung im Grundrechteforum erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Die Grundrechtepartei wird diesbzgl. Strafanzeige gegen die Beteiligten Personen des AA erstatten und die damit verbundenen Schriftsätze dokumentieren.

Revisionistische Lügen

WARSCHAU/BERLIN/SOBIBÓR

(Eigener Bericht) – Das deutsche Außenministerium (AA) leugnet die Ermordung von über 10.000 deutschen Juden in dem früheren NS-Vernichtungslager Sobibór, um sich Geld für die Errichtung einer internationalen Gedenkstätte zu sparen. Laut AA sollten sich um die Gedenkstätte im heutigen Ostpolen jene Staaten kümmern, „die davon betroffen waren“. In Sobibór habe es keine deutschen Opfer gegeben, deswegen sei Deutschland auch nicht „betroffen“, heißt es in einer Stellungnahme der Staatsskretärin im AA und Sonderbeauftragten für die deutsch-polnischen Beziehungen, Cornelia Piper. Anlass der unwahren Behauptungen sind die bevorstehenden Feierlichkeiten in Sobibór, wo am 14. Oktober Delegationen aus aller Welt des Häftlingsaufstands vor genau 70 Jahren gedenken. In dem Festprogramm kommen Vertreter der Bundesrepublik namentlich nicht vor. Lediglich zivilgesellschaftliche Organisationen aus Deutschland entsenden Jugendliche. Sie reisen auf eigene Kosten. Einen Antrag auf Co-Finanzierung hat die mit öffentlichen Mitteln operierende Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) abgelehnt. Sie steht unter der Kontrolle des Bundeskanzleramts. Bei einer Internationalen Sobibór-Konferenz in Warschau kam es am Dienstag zu heftigen Protesten gegen die staatliche deutsche „Gedenkkultur“ und ihre revisionistischen Tendenzen.

Die Äußerungen des AA waren durch einen Beitrag im 1. Programm des deutschen Fernsehens bekannt geworden. Das ARD-Magazin „Kontraste“ wollte wissen, warum sich die deutsche Regierung weigert, Kosten für den Museumsbau im früheren NS-Vernichtungslager Sobibór mitzutragen. In Sobibór sind mindestens 150.000 Menschen, darunter Bürger aus der früheren UdSSR, den USA, der Slowakei, den Niederlanden sowie Juden aus ganz Deutschland unmittelbar nach ihrem Anstransport mit der NS-„Reichsbahn“ ermordet worden. Gefragt, warum sich Berlin an der Finanzierung des Gedenkens nicht beteiligt, antwortete die zuständige Staatsministerin wörtlich, „Projekte“ in Sobibór würden „mit anderen Partnern vorbereitet, also mit den Ländern, die dort auch Inhaftierte hatten. Da war Deutschland nicht dabei.“ Die Äußerungen hatte das TV-Magazin als „zynisch und falsch“ bezeichnet.

Deutsche

Auch auf der Internationalen Sobibór-Konferenz in Warschau, die unter der Schirmherrschaft der polnischen Regierung steht, wurden das AA und die Berliner Regierung am Dienstag scharf kritisiert. Indem sie Nichtwissen über das wahre Ausmaß der deutschen Massenverbrechen in Sobibór vortäusche, versuche die Bundesregierung, sich „aus der moralischen und materiellen Verantwortung zu stehlen“. Diese Verantwortung würde auch dann gegeben sein, wenn ausschließlich Nicht-Deutsche unter den Opfern zu beklagen wären. „Schließlich waren es Deutsche, die Sobibór geplant haben und die die Kommandogewalt in diesem Vernichtungslager inne hatten.“

Erstickt

Wie international unstrittig ist, wurden über 10.000 deutsche Juden in den Gaskammern von Sobibór ermordet. Darunter befanden sich viele deutsche Emigranten, die in die Niederlande geflohen waren. Nach dem deutschen Überfall auf das Nachbarland deportierten die Besatzer die Flüchtlinge nach Sobibór – gemeinsam mit mindestens 30.000 niederländischen Juden sowie Sinti und Roma. Die Massenverschleppungen organisierte die kriminelle NS-„Reichsbahn“. Der Weg führte über Bremen, das heutige Brandenburg, Berlin, Frankfurt (Oder) oder Leipzig. In den Güterwagen des Transports vom 8. Juni 1943 saßen über 1.200 Kinder und Jugendliche. Sie wurden sofort nach ihrer Ankunft in Sobibór erstickt. Niemand kehrte zurück.

Abgelehnt

Einen Antrag auf Ehrung dieser Ermordeten durch die Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ hatte die Bundesstiftung EVZ im Frühjahr abgelehnt. Auch einen zweiten Förderantrag vom Juli 2013, der 80 deutschen Jugendlichen eine Mitfahrt zu den kommenden Sobibór-Feierlichkeiten ermöglichen sollte, wies die Bundesstiftung zurück. Zugleich teilte der EVZ-Vorstand mit, weitere Anträge erübrigten sich, da der „Zug der Erinnerung“ ab sofort und grundsätzlich nicht mehr gefördert würde.

Merkels Mann

Die Stiftung EVZ verwaltet öffentliche Mittel: Deutsche Steuerzahler hatten im Jahr 2000 rund fünf Milliarden DM (2,5 Milliarden Euro) eingezahlt. Im EVZ-Kuratorium sitzt ein Beamter des Auswärtigen Amtes und ein Beamter des Bundesfinanzministeriums. Die deutsche Zivilgesellschaft ist praktisch nicht vertreten. Die politische Steuerung wird dem Bundeskanzleramt zugeschrieben, das den Kuratoriumsvorsitzenden ernennt. Diese Funktion nimmt der ehemalige Generalbevollmächtigte der Firma DEGUSSA wahr: „Merkels Mann in der Regierung“ schon zu Zeiten der rot-grünen Koalition. DEGUSSA verarbeitete das Mordgold aus den Zähnen der Vernichtungsopfer.

Abgegolten

Auf der Warschauer Konferenz wurde dem EVZ-Vorstand ein durchsichtiges Zusammenspiel mit der deutschen Industrie und der Bundesregierung vorgeworfen. Bei der EVZ handele es sich um ein „Institut für öffentlichen Ablasshandel“, in das die Tätererben Beträge ihrer Wahl als angebliche „Spenden“ einzahlen könnten. Anschließend seien sie von Forderungen der überlebenden Opfer freigestellt. Zuletzt hatte ein deutsches Gericht im Januar 2013 die Klage eines ukrainischen Deportierten mit dem Hinweis abgewiesen, Ansprüche gegen die Nachfolgeunternehmer seiner früheren Peiniger seien durch deren „humanitäre“ Zahlungen an die EVZ abgegolten.

Keine Verbindung

Der frühere ukrainische Zwangsarbeiter wollte unter anderem von der Deutschen Bahn AG seinen unterschlagenen Lohn erstattet bekommen. Dieser stehe ihm nicht zu, antwortete die unter Kontrolle des Bundesverkehrsministeriums stehende DB und machte sich in ihrer Klageabwehr eine unwahre Behauptung zu eigen: Zwischen den Bahndeportationen in die NS-Lager und den Lagergreueln bestehe „keine innere Verbindung“. Die Inhaftierung der Häftlinge in einem KZ habe „außerhalb des Einflussbereichs der Reichsbahn“ gelegen.

International kommunizieren

Wie es jetzt in Warschau hieß, handele es sich bei den Ausführungen der DB AG „um revisionistische Lügen“. Sie würden auf einer Linie mit den historischen Lügen des Auswärtigen Amtes zu Sobibór liegen, um den berechtigten Forderungen nach materieller Verantwortung für die früheren Mordstätten und deren Opfer zu entgehen. Zugleich kündigte der auf der Warschauer Konferenz vertretene „Zug der Erinnerung“ an, seine Delegation werde bei den kommenden Feierlichkeiten am 14. Oktober die staatliche deutsche „Gedenkkultur“ und deren revisionistische Tendenzen „international kommunizieren“. Hauptziel der staatlichen deutschen „Gedenkkultur“ sei es, durch unverbindliche moralische Bekenntnisse und Inanspruchnahme der Zivilgesellschaft von milliardenschweren Verpflichtungen aus dem NS-Erbe abzulenken.

, , „Kontraste“ vom 26.09.2013, 21.45 Uhr; http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-26-09-2013/sanierungsfall-auschwitz–wie-viel-ist-deutschland-das-gedenken-.html
, Sobibór – What do we know/How do we commemorate? Redemanuskript „Zug der Erinnerung“ vom 01.10.2013, Warschau.
The Central Database of Shoah Victims‘ Names; db.yadvashem.org. Allein aus Brandenburg gibt es 37 Opfer, die in Sobibor ermordet wurden. In der Kombination von „Sobibor“ mit „Berlin“ gibt die Datenbank von Yad Vashem 384 Namen aus.
Dr. Michael Jansen; zug-der-erinnerung.eu 01.10.2013
s. dazu „Rechtsfrieden“ wankt und Nachhaltige Wertschaffung
, Sobibór – What do we know/How do we commemorate? Redemanuskript „Zug der Erinnerung“ vom 01.10.2013, Warschauie Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ hatte die Bundesstiftung EVZ im Frühjahr abgelehnt. Auch einen zweiten Förderantrag vom Juli 2013, der 80 deutschen Jugendlichen eine Mitfahrt zu den kommenden Sobibór-Feierlichkeiten ermöglichen sollte, wies die Bundesstiftung zurück. Zugleich teilte der EVZ-Vorstand mit, weitere Anträge erübrigten sich, da der „Zug der Erinnerung“ ab sofort und grundsätzlich nicht mehr gefördert würde.


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  1. ein Mensch

    Es ist damals wie heute, die Todsünde der Gier, der selbst die CDU/CSU verfallen ist. Von den christlichen Sozialverrätern der SPD-Grünen und gar der Liberalen FDP und ihrer Lobby ganz zu schweigen.

    Der Irrsinn der Gier zeigt wie viele Menschen durch gelenkte Medien der Gier, die sich quasi selbst entlassen und wegrationalisieren ließen, und, dennoch so viele Stimmen für die Rechte unterdrückende CDU/CSU und den unchristlichen Sozialverrätern der SPD bereit stellen.

    Es sind für die Lobby wie damals, durch Spenden etc., organisierte kriminelle Verbrecherbanden die sich mit der verbotenen und durch das BVG verurteilten Willkür wie unter Hartz IV vergleichbar machen. Siehe/vergleiche wo alle Punkte mehrfach mit Hartz IV und Sanktionen der Unterdrückung – auch der Mittelschicht und Beamten – wieder vergleichbar ist:
    http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv006132.html Rn. 127 – 144; etc.

    Druck auf Hartz IV Bezieher ist auch Druck auf die Mittelschicht und Beamten. Es ist u.a. die Würde von käuflichen Politikern durch Globalplayern und ihrer Lobby.
    Es ist ein Armutszeugnis von IQ und Würde.

    Richter die dem wilden Treiben der Gier und ihrer Gesetzgebung Recht sprechen – entwürdigen sich als letzte Säule dieser angeblichen Sozialdemokratie, zuletzt, selber -. Zuletzt ist ein Makel aller Rechtsstaatlichkeit.

  2. Müller-Turgau

    Der braune Geist des NS-Terrorregimes hält sich bis heute hartnäckig im Auswärtigen Amt (dem Bundesaußenministerium). Wer mehr wissen will, der schaut einmal auf dieser Internetseite nach, denn das Aufarbeiten des NS-Terrorregimes zwischen dem 05.03.1933 und dem 08.05.1945 ist noch lange nicht abgeschlossen.

    http://www.zeitgeschichte-online.de/themen/pressespiegel-zur-debatte-um-das-auswaertige-amt-und-seine-vergangenheit

    Das gleiche gilt für den Personenkreis, diesem Bodensatz, der dann „persilscheinentnazifiziert“ sich scheinbar im Geiste des Bonner Grundgesetzes als „lupenreine Demokraten“ und dem Rechtsstaat verpflichtet als Amtsträger bundesweit verbreitet hat, um weiterhin am erklärten Ziel des NS-Terrorregimes, nämlich der Verwirklichung des „Tausendjährigen Reiches“ zu arbeiten, kostete es was wolle.

    Es wird allerhöchste Zeit, dass mit diesem das Bonner Grundgesetz und dessen Inhalte bekämpfenden „politischen Abschaum“ und dessen „infiziertem Gefolge“ endlich aufgeräumt wird und zwar ohne Ansehen der Person.