Zur Akzeptanz des Harzburger Modells
(s. Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft, Bad Harzburg)
1. Die Harzburger Lehre fußt auf dem Kolonial- und Besatzungsrecht des Großdeutschen Reiches. Dieses Recht stand Pate bei zahlreichen Regelungen, die Harzburg dem betrieblichen Management empfiehlt. Der Eingeborene / der Einheimische entspricht dem Mitarbeiter. Der Kolonial-, Polizei- oder Justizbeamte entspricht dem Management, der Führungskraft. Das kolonialisierte oder besetzte Gebiet ist das Grundmuster des Betriebs die jeweilige Kolonial- oder Be-satzungsmacht ist Grundmuster des Unternehmens.
2. Reinhard Höhn, Hauptautor des Harzburger Modells, war im Rang eines SS-Oberführers der juristische Spezialist für die Verwaltung deutsch besetzter Gebiete. Er berücksichtige daher auch zahlreiche Regularien der Heeresverwaltung. Beispiele dafür sind die Stellenbeschreibung, die Unterscheidung von Stab und Linie oder die Trennung von disziplinarischer und fachlicher „Führung“. Deren Nutzen für zivile Betriebe oder Behörden ist bis heute nicht zu belegen.
3. Reinhard Höhn war promovierter Staatsrechtler. Betriebswirtschaft, Arbeitswissenschaften oder Psycho-logie waren und wurden nie sein Ressort. Viele seiner Begriffe (z.B. Führung, führen, Führungskraft) entnahm er dem Vokabular der wilhelminischen Salons. In seine Harzburger Lehre baute er später auch Euphemismen und Modewörter der Nachkriegszeit ein. Das ebenso mystische wie beliebig zu interpretierende „Führen im Mitarbeiterverhältnis“ ist ein prominentes Ergebnis dieser Anpassungsstrategie.
4. Reinhard Höhn kannte sehr wohl die Bedeutung des Wortes Modell: maßstäbliche Verkleinerung. Er sah den Betrieb tatsächlich als die Verkleinerung eines Kolonial- oder Besatzungsgebietes. Dabei war ihm klar, dass er sich ab 1949 nicht offen dazu bekennen durfte. „Modell“ wurde von der Nachkriegsgeneration in seinem Sinne ohnehin sogleich verstanden.
5. Erst spätere Generationen empfanden die Harzburger Lehre als wirklichkeitsfremd und widersprüchlich. Insbesondere die Behauptung, führen bedeute in erster Linie Aufgaben stellen und deren Erledigung kontrollieren, stieß ab 1968 auf zunehmende Kritik. Das Harzburger Modell wird heute noch von Autodidakten („Trainer“) als erfolgreiche Praxis vermarktet. Die Teilnehmer akzeptieren dies meist widerspruchslos – mangels organisatorischer Grundkenntnisse. Die Harzburger Ideologie spielt noch heute in den Aufstiegslehrgängen des öffentlichen Dienstes eine große Rolle.
© Georg Sieber, April 2009
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Das Harzburger Modell entwickelte der ehemalige SS-Oberführer Reinhard Höhn auf Betreiben des Hans Josef Maria Globke.
Hans Josef Maria Globke (* 10. September 1898 in Düsseldorf; † 13. Februar 1973 in Bonn) war ein deutscher Verwaltungsjurist im preußischen und im Reichsinnenministerium, Kommentator der Nürnberger Rassegesetze und ab 1953 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer Chef des Bundeskanzleramts.
Globke gilt als Paradebeispiel für die personelle Kontinuität der Verwaltungseliten zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der frühen Bundesrepublik Deutschland. In deren Geschichte spielte er eine bedeutende Rolle als „graue Eminenz“ Adenauers. Wegen seiner Tätigkeit während der nationalsozialistischen Diktatur blieb Globke in der Bundesrepublik stets umstritten.
Globke schuf mit der Erfassung der als jüdisch angesehen Bevölkerung die verwaltungstechnischen Voraussetzungen, ohne die der bereits 1941 anlaufende Völkermord, der in der Wannsee-Konferenz1942 koordiniert und den höchsten Beamten aller wichtigen Ministerien zur Kenntnis gebracht wurde, nicht in der bekannten Form hätte umgesetzt werden können.
In Globkes Verantwortung fiel auch die Vorbereitung von Gesetzeskommentaren und -erläuterungen für seine Aufgabengebiete. 1936 gab er gemeinsam mit seinem Vorgesetzten, Staatssekretär Wilhelm Stuckart, den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen heraus. Dieser erwies sich als besonders einflussreich für die Auslegung der Nürnberger Gesetze, weil ihm ein offiziöser Charakter beigemessen wurde. Stuckart steuerte dabei nur die Einführung bei, in der er sich eines stark von der nationalsozialistischen Rassenlehre geprägten Vokabulars bediente. Der eigentliche Gesetzeskommentar stammte von Globke.
Laut CIA-Unterlagen war Globke möglicherweise auch für die Deportation von 20.000 Juden aus Nordgriechenland zu Vernichtungslagern in Polen mitverantwortlich.
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In der Bundesrepublik wurde Globke unter Bundeskanzler Konrad Adenauer zunächst Ministerialdirigent im Bundeskanzleramt und stieg im Anschluss an die Bundestagswahl 1953 Ende Oktober als Nachfolger des in den Bundestag gewählten Otto Lenz zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt auf[11]. In dieser Funktion war er Mitglied des engsten Führungszirkels um Adenauer und dessen engster Vertrauter. Im Schatten des Bundeskanzlers zog Globke im Hintergrund die Fäden und fungierte so als wichtiger Stützpfeiler von Adenauers „Kanzlerdemokratie“. Seine wichtigsten Einflussbereiche lagen vor allem in fünf Feldern: Er machte Adenauer Personalvorschläge für die Ministerien und überwachte deren Linientreue, u. a. durch die von ihm geschaffenen Spiegel-Referate im Kanzleramt; er pflegte den engen Kontakt zur CDU/CSU-Bundestagsfraktion, insbesondere durch seine gute Beziehung zum CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Krone; er beriet Adenauer bei politischen Entscheidungen, etwa bei ihren nachmittäglichen Spaziergängen im Garten des Kanzleramtes; er war als „heimlicher Generalsekretär“ der CDU die zentrale Kontaktstelle, um das Gehör des Kanzlers zu erhalten; und er verwaltete maßgeblich die Wirtschaftsspenden der CDU, die über die „Staatsbürgerliche Vereinigung“ flossen.[12] Am 15. Oktober 1963, also vier Tage nachdem Adenauer sein Amt niedergelegt hatte, wurde Globke auf Vorschlag des Altkanzlers vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er blieb auch weiterhin für Adenauer noch beratend aktiv. Insbesondere bei der Suche nach einem Nachfolger für Ludwig Erhard schaltete er sich ein.
Nach der Pensionierung beschloss Globke, in die Schweiz überzusiedeln. Die Schweizer Regierung erklärte ihn aber zu einem unerwünschten Ausländer und erteilte ihm ein Einreiseverbot.
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Reinhard Höhn (* 29. Juli 1904 in Gräfenthal; † 14. Mai 2000 in Bad Harzburg) war ein führender deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler in der Zeit des Nationalsozialismus. Höhn gründete nach seiner Entnazifizierung im Jahr 1956 die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft GmbH, Bad Harzburg und war 1962 Erfinder des Harzburger Modells.
Im Juli 1933 trat Höhn in die NSDAP und im Dezember desselben Jahres in die SS ein. Von 1933 und 1935 war er Hauptabteilungsleiter im SD-Hauptamt. Sein direkter Vorgesetzter war Reinhard Heydrich.
Höhn machte rasch Karriere. Als Assistent von Franz Wilhelm Jerusalem war er 1934 maßgeblich an der Organisation und Durchführung eines Soziologentreffens in Jena beteiligt, auf dem Ferdinand Tönnies als Präsident und Leopold von Wiese als Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie entmachtet wurden, was zur Gleichschaltung der Soziologenvereinigung notwendig war. Höhn habilitierte sich 1935 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit der Arbeit Der individualistische Staatsbegriff und die juristische Staatsperson. Ab 1936 war Höhn Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für deutsches Recht und Vorsitzender des Ausschusses für Polizeirecht. 1936 versuchte er eine rechtsphilosophische Rechtfertigung des Führerprinzips, wobei er unter anderem schrieb: „Gegenüber Führerentscheidungen, die in Form eines Gesetzes oder einer Verordnung gekleidet sind, steht dem Richter kein Prüfungsrecht zu“. 1939 wurde er Abteilungsleiter im Reichssicherheitshauptamt. Zwischen 1939 und 1945 war Höhn Direktor des Instituts für Staatsforschung an der Universität Berlin. Von 1941 bis 1943 betreute er die Publikation Reich – Volksordnung – Lebensraum. Zeitschrift für völkische Verfassung und Verwaltung. Zum Herausgeberkreis gehörten neben Höhn vier Spitzenbeamte, die alle mit Fragen der Herrschaftssicherung in den von Deutschland besetzten Gebieten befasst waren. Zwei dieser Mitherausgeber nahmen am 20. Januar 1942 an der Wannsee-Konferenz zur endgültigen Vernichtung des europäischen Judentums teil: der Staatssekretär im Innenministerium und SS-Obergruppenführer, Wilhelm Stuckart, mit dem Höhn persönlich befreundet war, und SS-Gruppenführer Gerhard Klopfer, Staatssekretär in der Parteikanzlei.
In der Hierarchie der SS wurde Höhn 1939 zum SS-Standartenführer und 1944 zum SS-Oberführer befördert.
Nach dem Krieg tauchte Höhn zunächst unter und ging einer Arbeit als Heilpraktiker nach. Nach 1955 – er war entnazifiziert worden – leitete Höhn die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Bad Harzburg.
Der bis zum Opportunismus wandlungsfähige Mahraun-Schüler Höhn lehnte den liberalen Verfassungsstaat und die Demokratie ab und suchte nach rechtsphilosophischen Begründungen für die „Volksgemeinschaft als Artgemeinschaft des Volkes“ und den „Führerstaat“. Auch trat er gegen Ende des Krieges für ein hartes Strafrecht gegenüber Nichtdeutschen ein und äußerte 1944 die Meinung, dass der Eid auf Adolf Hitler auch über dessen Tod Gültigkeit besäße. Er war einer der (im negativen Sinne) profiliertesten unter den NS-Rechts- und Staatswissenschaftlern und betrieb eine selbst für nationalsozialistische Verhältnisse besonders radikale Auflösung rechtsstaatlicher Prinzipien.
Nach dem Krieg schien er sich der demokratisch verfassten Grundordnung der Bundesrepublik angepasst zu haben, ohne in der Eid-Frage eine neue grundsätzliche Erklärung abgegeben zu haben. Die Behauptung, er habe sich der BRD angepasst, ist umstritten.
Im Jahr 1962 stellte Höhn sein geschlossenes Management-System, das Harzburger Modell vor, das in den folgenden Jahrzehnten die Unternehmensführung in Deutschland bestimmte. Das Modell war eingebettet in den Harzburger Bildungsverbund, dessen bekanntester Bestandteil die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft war.
Zahlreiche von Höhns Schriften wurden in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

<strong>FETT </strong><em>KURSIV</em><blockquote>„ZITAT“</blockquote>