Podolski und Özil sollten einen Blick ins Grundgesetz geworfen und die Doku “Das Mädchen - Was geschah mit Elisabeth K.?” gesehen haben.

Lukas Podolski und Mesut Özil müssen sich seit der Veröffentlichung eines Poser-Fotos mit brasilianischen Soldaten im Netz einiges anhören. Den Kritikern gefällt gar nicht, dass sich die beiden deutschen Nationalspieler stolz mit den schwer bewaffneten Einsatzkräften haben ablichten lassen, während Proteste im Gastgeberland mit harter Hand niedergeschlagen werden.  novolitphotography zum Beispiel meint: “Das beweist einmal mehr, dass in den Fussballschuhen oft nicht viel mehr als eine geballte Ladung Dummheit herumschwadroniert. Gute Heimreise!” jugendkraft fragt: “Wie kann man nur so ignorant sein?!” Und claracorn tobt: “Das KANN einfach nicht euer ernst sein. Das ist widerlich!” clockknock schreibt: “Poldi du bist doch eigentlich eher immer Volksnah? Wieso positionierst du dich jetzt auf eine Ebene mit dem Militär, dass in Brasilien parallel zur WM Menschen schlägt, verhaftet und nur die Interessen der Mächtigen vertritt? Denk mal darüber nach…” (Quelle: Focus-online, 14.06.2014, 12.16h)

Im Lichte des am 05.06.2014 in der ARD ausgestrahlten Dokumentarfilmes “Das Mädchen - Was geschah mit Elisabeth K?” hätte es ein solches Posing von Podolski und Özil zusammen mit der brasilianischen Militärpolizei am 14.06.2014 in Brasilien, dem dieses Mal fragwürdigen Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft, unter keinen Umständen geben dürfen. Aber Scheins hat der Deutsche Fußballbund nicht nur 1977 versagt, als man sich in Kenntnis der menschenverachtenden Machenschaften der Militärjunta Argentiniens faktisch mit dieser gemein gemacht hat, während die bundesdeutsche Studentin Elisabeth Käsemann dort gefoltert und anschließend ermordet worden ist, sondern dieses Mal in Brasilien wieder.

Der Amnesty-Bericht dokumentiert Gewalt der brasilianischen Militärpolizei gegen Demonstranten. Am 05.06.2014 schrieb Amnesty:

Eine Woche vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft fordert Amnesty International die brasilianische Regierung auf, das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu garantieren. “Die klare Botschaft an die brasilianischen Behörden muss sein: Protest ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht! Anstatt gewaltsam Proteste niederzuschlagen, müssen die Menschen ihre Meinung frei und ohne Angst vor Verletzungen oder Verhaftung äußern können”, sagt Maja Liebing, Brasilien-Expertin von Amnesty International Deutschland. “Die Spielregeln gelten auch für die Polizei in Brasilien.”

Der heute veröffentlichte Bericht von Amnesty International “They use a strategy of fear: Protecting the right to protest in Brazil” beschreibt die übermäßige Gewalt der Sicherheitskräfte im vergangenen Jahr. Er schildert Einsätze von Tränengas und Gummigeschossen, bei denen Hunderte Demonstranten verletzt wurden, sowie willkürliche Verhaftungen und den Missbrauch von Gesetzen, um Demonstranten zu bestrafen. Der Fotograf Sérgio Silva, 32, verlor beispielsweise sein linkes Auge, nachdem er bei einer Demonstration in São Paulo am 13. Juni 2013 von einem Gummigeschoss getroffen wurde. Der Vater zweier Kinder kann jetzt nur noch sehr eingeschränkt arbeiten. Eine Entschuldigung oder Entschädigung hat er nie bekommen. “Wir befürchten, dass die Polizei während der WM ähnlich brutal vorgehen wird”, sagt Liebing.

Dem Kongress vorliegende Gesetzentwürfe zu “Terrorismus” und “Unruhestiftung” würden die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zusätzlich gefährden. Aufgrund der vagen Formulierungen könnten sie missbraucht werden, um friedlichen Protest zu kriminalisieren. “Die Regierung muss öffentlich versichern, keine exzessive Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden und Missbrauchsfälle zu untersuchen”, fordert Maja Liebing.”

Zum Dokumentarfilm “Das Mädchen - Was geschah mit Elisabeth K.?” hat sich die Grundrechtepartei hier geäußert:

“In welche Verbrechen sind sie noch alle verwickelt, die bis heute so ehrenwerten Herren Hans-Dietrich Genscher (Ex-Bundesaußenminister), Klaus von Dohnanyi (Ex-Staatsminister im Auswärtigen Amt) oder Jörg Kastl (Ex-Botschafter in Argentinien)?

Nach wiederholtem Anschauen des Filmes und dem mehrfachen genauen Anhören der einzelnen Statements derer, die vor der Kamera zu Wort gekommen sind, muss davon ausgegangen werden, dass die damaligen Amtsträger der Bundesrepublik Deutschland nicht nur involviert waren, sondern wohl die Gunst der Stunde genutzt haben, um von Seiten der Militärjunta Argentiniens die bundesdeutsche Studentin auch für fragwürdigste deutsche Interessen 1977 gefoltert haben zu lassen. Der Mord war dann nur die zwingende Folge, würde man doch sonst eine Kronzeugin geschaffen haben, die man nicht unter Kontrolle halten hätte können wollen.

Wie es im Lichte dessen um den seit 65 Jahren hochgelobten bundesdeutschen Rechtsstaat insgesamt bis heute tatsächlich bestellt ist, lässt sich in den einschlägigen meinungsfreien Expertisen der Grundrechtepartei in ihrem aktualisierten Rechtsstaatsreport sehr genau und bisher nicht widerlegt nachlesen.

(Originalartikel: /231718)